Fokus Familienrecht

Rechte von Alleinerziehenden stärken

Immer mehr Trennungen landen vor Gericht: Viele Alleinerziehende können sich rechtliche Unterstützung nicht leisten und fühlen sich ausgeliefert. Häufig erleben sie Benachteiligungen durch Institutionen wie Jugendämter oder Gerichte. Besonders betroffen: Mütter und natürlich die Kinder.

Ungleichbehandlung mit Folgen

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Mütter in familiengerichtlichen Verfahren immer wieder benachteiligt werden. Unsere explorative Kurzstudie (2024) mit der Universität Bielefeld bestätigt das: Im Zentrum der Studie steht die Perspektive von Alleinerziehenden auf Belastungen durch Trennung und Scheidung vor dem Hintergrund des Familien- und Kindschaftsrechts sowie ihre Beratungsbedarfe. Klar ist, ihre Sorgen werden nicht ernst genommen, ihre Perspektiven infrage gestellt oder ihre Belastungen unterschätzt. Befragte Mütter empfinden zudem wenig Schutz, wenn häusliche Gewalt vorliegt: Jugendämter, Beratungseinrichtungen und Gerichte klammern dieses Thema häufig aus. Wenn Konflikte eskalieren oder Schutzbedürfnisse übersehen werden, kann dies insbesondere das Wohlbefinden, die Stabilität und die Rechte der Kinder gefährden.

Zwischen Zeitmangel, Geldsorgen und Gerichtsverfahren

Gleichzeitig steigt der Druck auf Familien seit Jahren. Nach Trennungen werden Fragen zur Betreuung gemeinsamer Kinder immer häufiger vor Gericht geklärt. Vielen Alleinerziehenden fehlt jedoch der Zugang zu frühzeitiger und verlässlicher rechtlicher Unterstützung. Wer gleichzeitig Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Alltagsorganisation alleine bewältigt, hat oft weder die Zeit noch die finanziellen Mittel, um sich ausreichend beraten zu lassen. Besonders im ländlichen Raum fehlen zudem niedrigschwellige und bezahlbare Angebote.

Die Situation macht deutlich: Es geht längst nicht nur um einzelne Familienkonflikte. Es geht um Gleichberechtigung, um Kinderschutz und darum, wie fair unser Rechtssystem mit Eltern und Kindern umgeht. Familien brauchen Unterstützung, die erreichbar, bezahlbar und auf ihre Lebensrealität abgestimmt ist und das bevor Konflikte vor Gericht eskalieren und die Kinder darunter leiden.

© Amina Atar/unsplash

»Eben halt sehr schwierig weil, bei den ganzen Familiengerichtssachen, das hängt ja immer an dem Richter. Also, das kann ja in alle Richtungen aussschlagen! [...] Das ist ja wenig vorhersehbar, wie die Sachen laufen.« 


Grafik Kinderhand in Erwachsenenhand

Was wir tun

  • Studie: Beratungserfahrungen bei Trennung aus Perspektive von Ein-Eltern-Familien
    In unserer Kooperationsstudie mit der Universität Bielefeld (in 2024) haben wir untersucht, wie Alleinerziehende familienrechtliche Verfahren und Beratungsangebote nach Trennung und Scheidung erleben. Im Mittelpunkt stehen belastende Erfahrungen mit Gerichten, Jugendämtern und Beratungsstellen, etwa durch intransparente Entscheidungen, mangelnde Berücksichtigung von Partnerschaftsgewalt und stereotype Rollenbilder. Die Studie zeigt: Der Handlungsbedarf ist nach wie vor groß!
  • Förderung: Familienrecht in Deutschland – Eine Bestandsaufnahme
    Die 2022 veröffentlichte Studie des Soziologen Wolfgang Hammer zum deutschen Familienrecht untersucht den Umgang mit Kindern in Sorge- und Umgangsrechtsverfahren. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere Mütter in familiengerichtlichen Verfahren systematisch benachteiligt werden. Laut Studie belastet dies nicht nur die betroffenen Frauen, sondern wirkt sich auch negativ auf das Wohl der Kinder aus. Die Stiftung hat die Veröffentlichung der Studie unterstützt, um auf diese strukturellen Probleme aufmerksam zu machen und Veränderungen anzustoßen.
  • Hotline: Familienrechtliche Beratung
    Mit der bundesweiten und kostenlosen Rechtshotline Familienrecht möchten wir Alleinerziehende juristisch mit einem niedrigschwelligen Angebot unterstützen und sie befähigen, für sich passende Lösungen zu finden. In einem 30-minütigen Erstberatungsgespräch mit Termin beantworten unsere Rechtsanwält:innen einmal wöchentlich individuelle Fragen der Ratsuchenden rund um Unterhalt, Sorge- und Umgangsrecht. Zusätzlich bieten wir einmal im Monat die Open Hotline an: Hier können Allleinerziehende spontan und anonym unter 0800 50 60 600 anrufen und werden ohne vorherige Terminabsprache beraten. Seit Beginn unserer Hotline im Jahr 2022 bis Anfang 2026 wurden über 1.500 Betroffene persönlich beraten. Die Rechtshotline wird unterstützt durch Mittel der CMS Stiftung.
  • Webinar-Reihe: digitales Trennungswissen
    Zweimal jährlich bieten wir die jeweils fünfteilige Webinar-Reihe „Dein Trennungswissen“ an. Unsere Rechtsanwält:innen informieren über typische Fragen rund um das Thema Trennung mit Kind(ern). Es geht um Gewaltschutz, Unterhaltsrecht oder auch die Rollen der Beteiligten im Familiengerichtsverfahren. In je 1,5 Stunden werden die Teilnehmer:innen verständlich und einfühlsam über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt. Jährlich nutzen ca. 500 Alleinerziehende die Chance, sich so über ihre Rechte zu informieren. Die Webinare werden unterstützt durch Mittel der CMS Stiftung.

Erfahren Sie bei der CMS Stiftung mehr über unsere Tätigkeiten: in den News und im Wirkungsbericht (Interview mit Heidi Thiemann, Vorständin der Stiftung Alltagsheld:innen auf Seite 14).

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Portrait Isabel Lezmi

Isabel Lezmi

Projektleitung Familienrecht Hotline

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Assistenz Familienrecht Hotline

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Unser Held:innen Magazin

Zu unserem fünfjährigen Jubiläum gibt das Magazin besondere Einblicke in unsere Arbeit, zeigt, woran wir mit Herzblut gearbeitet haben und welche Menschen dahinterstehen. Ab Seite 18 finden Sie Beiträge zum Fokus Rechtsberatung u. a. ein Interview mit unserer Rechtsanwältin für Hotline und Webinare: Julia Dzikonski.