Geförderte Projekte

Ideen, die wirken

Wir fördern leichteres und gerechtes Leben.

Neben Projekten zu unseren Schwerpunktthemen fördern wir auch in 2022 Projekte von Vereinen, Initiativen und Trägern, die Unterstützungsstrukturen für Alleinerziehende verbessern, sich für ihre Rechte einsetzen und ihnen das Leben dauerhaft leichter machen.

Ausschlaggebend für die Förderung ist die Innovationskraft einer Projektidee sowie ihr Potential, zu inspirieren und sich als Modell auch in anderen Regionen durchzusetzen.

In diesem Jahr fördern wir 16 Projekte für Ein-Eltern-Familien, davon elf in Deutschland, drei im europäischen Ausland (Österreich und Ukraine) sowie zwei in Afrika (Ruanda und Kamerun) mit einer Gesamtsumme von rund 110.000 €.

Hier stellen wir Ihnen ausgewählte Projekte vor.

Grafik Kinderhand in Erwachsenenhand

Projekte Inland 2022

Der bundesweite Mietpreis-Spitzenreiter München ist ein besonders schwieriges Pflaster für Ein-Eltern-Familien. Um dem entgegenzuwirken, fördern wir seit diesem Jahr ein Wohnprojekt in der bayrischen Landeshauptstadt.

Die Idee zum Projekt entstand in zwei Workshops des Trägervereins für Frauenprojekte siaf e.V. mit Alleinerziehenden, in denen sehr deutlich wurde, dass die Wohnfrage eines der zentralen Probleme für sie darstellt. Daraufhin entwickelte der Verein gemeinsam mit neun Alleinerziehenden, einer Architektin und dem genossenschaftlichen Bauträger „Kooperative Großstadt“ ein Wohnkonzept für alleinerziehende Frauen. In dieses wurde eine Gästewohnung für Besucher:innen wie z.B. den anderen Elternteil integriert. Dabei steht zum Beispiel die gegenseitige Unterstützung im Alltag im Mittelpunkt, aber auch gemeinsame Flächen zum Gärtnern und Spielräume für die Kinder sind vorgesehen. Das innovative Gebäudekonzept legt zugleich einen hohen Wert auf Nachhaltigkeit und sieht die Verwendung von Recyclingbeton vor.

Mit diesem Konzept bewarben sich siaf e.V. und der Bauträger um eine freie Baufläche in München – und erhielten jüngst den Zuschlag. Nun geht es in München an die weitere Planung und Neukalkulation des Projekts, denn die Inflation und gestiegene Energiepreise führen auch zu erhöhten Baukosten. Der Bauträger verhandelt derzeit mit der Stadt München und sucht mit ihr nach Lösungen, wie die höheren Kosten gedeckt werden können. Wenn das gelingt, steht dem Baustart in 2023 nichts mehr im Weg. Siaf e.V. wird in der Bauzeit die Gruppe der Alleinerziehenden mit Unterstützung der Stiftung weiter begleiten und festigen.

Projekt: Wohnprojekt München
Träger: siaf e.V.
Fördersumme: 7.000 Euro

​Asmara Habtezion, Rapperin und Gründerin von Asmaras World e.V., ist in Hamburg bekannt dafür, mit nichts als ihrer Energie und ihren Unterstützer:innen Berge zu versetzen. Fördergelder? Lange Zeit Fehlanzeige. Asmara stemmte das lange Zeit allein – gemeinsam mit Menschen, denen sie bereits geholfen hat, und ihrem großem Netzwerk an Helfer:innen, Aktivist:innen und Organisationen. Mit ihrer Migrant:innen-Selbstorganisation, Asmaras World e.V., setzt sie sich vor allem für geflüchtete Menschen ein.

Ganz ohne Geld geht es dann aber doch nicht: Inzwischen hat Asmaras World ein Projekt für geflüchtete Mütter gestartet, die sich vom Ehemann und Vater der Kinder – oft liegt Gewalt vor – trennen wollen. Sie wissen nicht, was ökonomisch und aufenthaltsrechtlich auf sie zukommt, ihre Familien reagieren ablehnend und sie fühlen sich bei Behördengängen unsicher. Mit einem Workshop-Programm für diese Frauen möchte der Verein, zunächst als Pilotvorhaben in Hamburg Altona, den Frauen ein Unterstützungs-Netzwerk zur Seite stellen, das sie beraten, über ihre Rechte aufklären, empowern und bei den notwendigen behördlichen Schritten begleiten soll. Denn die Selbstbestimmung der Frau ist die Freiheit unserer gesamten Gesellschaft – dazu gehört auch, dass eine Frau eine Ehe oder Beziehung selbstbestimmt und ohne Angst vor Armut und rechtlichen Folgen beenden kann.

Projekt: Unterstützungs-Netzwerk für geflüchtete Mütter
Träger: Asmaras World e.V.
Fördersumme: 4.200 Euro

Wenn Sie gezielt unseren Arbeitsschwerpunkt für migrantische Alleinerziehende unterstützen möchten, verwenden Sie dafür als Spendenbetreff ‚migrantische Alleinerziehende‘. Spendenformular

Der Rossmann Verlag aus Berlin hat in Kooperation mit der Deutschen Bahn ein Kinderbuch auf Deutsch/Ukrainisch veröffentlicht, mit dem geflohenen ukrainischen Kindern erste deutsche Wörter vermittelt werden sollen. Das Büchlein im Pixi-Format wurde an zahlreichen Bahnhöfen an ankommende ukrainische Familien verteilt. Die Stiftung Alltagsheld:innen hat das Kinderbuch mit einem Druckkostenzuschuss gefördert.

Träger: Rossmann Verlag Berlin
Fördersumme: 2.000 Euro

PoC-Frau zieht Boxhandschuhe anWas machen alleinerziehende Mütter und Väter aus dem Raum Hannover, die zuhause und auf der Arbeit besonders belastet sind und seit langem auf einen Therapieplatz warten? Eine typische Situation, die man mittlerweile überall in Deutschland findet: Ressourcen fehlen und die Wartezeiten sind extrem lang.

Der VAMV Hannover hat für sie ein ungewöhnliches Angebot entwickelt: den Kurs ‚Therapeutisches Boxen‘. Was nach Kinnhaken und Lucky Punch klingt, hat mit klassischem Boxtraining allerdings nichts zu tun. Zwar wird auch beim Therapie-Boxen mit Handschuhen, Sandsack, Doppelendball und Pratzen gearbeitet, jedoch geht es nicht um Kraft oder körperliche Fitness. Im Kurs stehen das Erleben, Wahrnehmen und Verhalten im Vordergrund.

Therapeutisches Boxen ist eine effektive Therapiemethode, um Menschen in Überforderungssituationen zu stärken, innere Anspannung abzubauen und das eigene Körpergefühl, die Körper- und Selbstwahrnehmung sowie die Selbstabgrenzung zu verbessern. Die Box-Therapie hilft zudem dabei, einen leichteren Zugang zu den eigenen Emotionen zu finden und angestaute Wut herauszulassen. Das Ziel heißt: Mehr Wohlbefinden, Gelassenheit und Selbsterfahrung, also das, was Alleinerziehende in belasteten Situation brauchen.

Projekt: Therapeutisches Boxen
Träger: VAMV Hannover e.V.
Fördersumme: 8.200 Euro

Etwa 400 Menschen stehen bei der Gründung der Bürgerplattform Duisburg im City Palais, am Sonntag den 16.02.2020 in Duisburg. Die Bürgerplattform hat es sich zum Ziel gesetzt die Lebensbedingungen der Menschen in der Stadt zu verbessern.

Der Kitaplatzmangel in Duisburg lässt viele Eltern verzweifeln. Insbesondere Kinder aus Familien mit Migrationsgeschichte erhalten oft keinen Kitaplatz, der für den Spracherwerb und die Integration der Kinder und Familien elementar ist. Auch Kinder von Alleinerziehenden werden bei der Kitaplatzvergabe nicht immer berücksichtigt. Die Bürgerplattform DUaktiv, die nach den Methoden des Community Organizing arbeitet, hat deshalb ein Aktionsteam „Kitaplätze“ gegründet, das Ehrenamtliche und Betroffene aktiviert und dabei unterstützt, auf den Mangel sowie benachteiligende Strukturen hinzuweisen und auf Augenhöhe mit den kommunalen Entscheidungsträgern in Duisburg über konkrete Verbesserungen zu verhandeln.

Projekt: Aktivierung von Alleinerziehenden und ukrainischen Müttern für Kitaplätze in Duisburg
Träger: Bürgerplattform DUaktiv, Duisburg
Fördersumme: 10.000 Euro

Gründe dafür, alleinerziehend zu werden, gibt es zahlreiche. Häufig tragen Alleinerziehende jedoch eine zusätzliche Bürde: Sie sind traumatisiert aufgrund von Entwürdigungserfahrungen in der Partnerschaft, während oder nach der Trennung. Partnerschaftsgewalt umfasst dabei weit mehr als Schläge. Die Istanbul-Konvention des Europarates definiert vier Formen von Gewalt: körperliche, sexualisierte, ökonomische und psychische Gewalt. Vor allem die letztgenannten Gewaltformen werden von Betroffenen meist nicht als Gewalt erkannt. Dennoch entfalten sie eine traumatisierende Wirkung, die ihnen den Alltag als Alleinsorgende zusätzlich erschweren kann.

Das Institut für soziale Innovationen e.V. (ISI) bietet alleinerziehenden Frauen im Rheinland mit der Kreativen Traumahilfe seit 2021eine traumasensible Stärkung unter traumatherapeutisch geschulter Gruppenleitung an. Ziel des Unterstützungsangebots ist es, den Frauen in belastenden Lebenssituationen einen nachhaltig stabilisierenden Einfluss auf den familiären Alltag zu ermöglichen.

Innovativ an der Kreativen Traumahilfe ist die Würdigung und Benennung der Erfahrungen vieler Alleinerziehender als Trauma, das zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen kann. Zur Stabilisierung und Gesundung sind für traumatisierte Mütter wie Kinder gelingende, wertschätzende Beziehungen und Bindungen entscheidend. Ohne Unterstützung gelingt gerade das oft nicht. ISI bietet Stärkungsgruppen, in denen sie gemeinsam kreative Prozesse zur Bewegungs- und Körpererfahrung machen können. Durch künstlerische Gestaltung und Musizieren werden behutsame Veränderungsprozesse auf einer stabilisierungs-zentrierten Ebene zur Selbstregulation initiiert.

Mit dem Projekt etabliert ISI die Kreative Traumahilfe im Rheinland als festen, ergänzenden Bestandteil zur familiären Gesundheitsförderung für die Zielgruppe alleinerziehender Frauen. Die angebotenen Gruppen werden seit dem Start mit sehr großer und durchweg sehr positiver Resonanz angenommen. Bisher hat das Angebot vierzig Frauen erreicht.

Projekt: Kreative Traumahilfe für alleinerziehende Frauen
Träger: ISI – Institut für soziale Innovationen e. V. (Rheinland)
Fördersumme: 8.000 Euro

Das Marita-Beissel-Haus der Johanniter in Oberbayern bietet Perspektiven für alleinerziehende Mütter zwischen 14 und 25 mit Kindern bis 6 Jahren. Schwangere und junge Mütter, die ihr bisheriges Umfeld verlassen möchten oder müssen, finden hier einen geschützten Ort und ein Zuhause auf Zeit. Während zunächst die Alltagsbewältigung und die Entwicklung einer positiven Mutter-Kind-Beziehung im Vordergrund stehen, ist das mittel- und langfristige Ziel die Erarbeitung eines selbstbestimmten und realistischen Lebensentwurfes. In der Einrichtung leben die Mütter mit ihren Kindern in einer intensiv betreuten Wohngemeinschaft mit Nachtbereitschaft oder in einer der fünf teilbetreuten Verselbstständigungs-Appartements.

Damit den Müttern mit ihren Kindern gesellschaftliche Teilhabe – also Arztbesuche, Vereinsleben, Kulturveranstaltungen, Wahrnehmen von Sportangeboten, Vernetzung durch Nutzung der Angebote des Mütterzentrums in Weilheim – ermöglicht und ihre Mobilität unterstützt wird, fördert die Stiftung Alltagsheld:innen für das Mutter-Kind- Haus die Anschaffung von Pedelecs mit Anhängern. Diese können von den Bewohnerinnen über einen digitalen Kalender gebucht werden.

Projekt: Pedelecs für Mutter-Kind-Haus
Träger: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Regionalverband Oberbayern
Fördersumme: 3.700 Euro

Der Alltag ist besonders für Alleinerziehende fordernd. Deshalb brauchen sie ab und zu eine Auszeit, um wieder Kraft zu tanken. Das scheitert jedoch regelmäßig an fehlender Kinderbetreuung über Kita & Schule hinaus. Der VAMV Münster hat mit DiNo plus ein Angebot speziell für Alleinerziehende entwickelt, das auf diesen Bedarf reagiert: Bis zu vier Stunden pro Woche können Alleinerziehende eine ergänzende Kinderbetreuung erhalten, um Arzttermine wahrzunehmen, Wichtiges ohne Begleitung der Kinder zu erledigen oder auch einfach einmal durchzuschnaufen und Sport zu machen. Um das täglich übervolle Pensum zu schaffen, ist Selfcare für Alleinerziehende überlebensnotwendig.

Projekt: DiNo plus
Träger: VAMV Münster e.V.
Fördersumme: 10.000 Euro

Grafik Kinderhand in Erwachsenenhand

Internationale Projekte 2022

Für eine langfristige positiven Veränderung ihrer Situation wird auch das soziale Umfeld einbezogen. Dafür wird eine Gruppe von zwanzig Alleinerziehenden in Konfliktmanagement ausgebildet. So können sie in den Dorfgemeinschaften in der Regelung von Konflikten und bei sexualisierter Gewalt tätig werden. Außerdem werden kommunale Führungspersonen und Dorfgemeinschaften in Versammlungen und Workshop für die Situation der Alleinerziehenden sensibilisiert. Ziel ist, sexistische Gewaltstrukturen zu überwinden und die Akzeptanz von Alleinerziehenden in der Gemeinschaft zu fördern.

Projekt: Gewaltprävention und Stärkung von Alleinerziehenden
Träger: FCLLO, Ruanda
Fördersumme: 10.000 Euro

 

Dative Nakabonye
Gründerin der Family Circle Love Lab Organization (FCLLO), Ruanda

„Ich war lange selbst alleinerziehende Mutter. Meine Erfahrungen motivierten mich, mich auch für andere Frauen einzusetzen und sie in ihrer Selbstständigkeit zu stärken. 2015 gründete ich FCLLO. Der Weg war zu Beginn schwieriger, als ich angenommen hatte. Doch ich war entschlossen und engagiert, zu Veränderungen in meiner eigenen Gemeinschaft beizutragen.

Der Aufbau einer Friedenskultur auf familiärer Ebene und in der gesamten Gemeinschaft ist von größter Bedeutung. FCLLO engagiert sich in den ländlichen Regionen im Süden sowohl für die Prävention und den Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt, für sexuelle sowie reproduktive Gesundheit und Rechte für Jugendliche als auch für sozial am meisten benachteiligten und gefährdeten Frauen wie Alleinerziehende. Für ihre psychosoziale Unterstützung brauchen wir personelle und finanzielle Ressourcen. Daher freuen wir uns über die strategische Partnerschaft mit der Stiftung Alltagsheld:innen. Ich bin mir sicher: In einem Jahr werden wir Geschichten über positive Veränderungen in den Dorfgemeinschaften und bei den einzelnen Frauen erzählen und evaluieren können.“

Seit Herbst 2022 fördert die Stiftung ein weiteres Projekt für ukrainische Frauen: Der Verein AMICA e.V. hat mit „Nähen für die Zukunft“ ein Projekt für kriegs- und fluchtbetroffene Frauen in der Ukraine aufgesetzt. Der dreimonatige Kurs findet im Zentrum der ukrainischen Partnerorganisation Berehynia in Iwano Frankiwsk (West-Ukraine) statt. Im Kurs erlernen die Frauen das Nähen. Dank ihres neu erworbenen Handwerks haben die Teilnehmerinnen bessere Chancen, sich selbstständig zu machen oder eine Arbeitsstelle zu finden. Es öffnen sich neue wirtschaftliche Perspektiven für sie. Die Nähkurse wirken sich außerdem positiv auf den psychischen Zustand der Frauen aus und unterstützen sie darin, ihre Traumata zu bewältigen. Der erste Kurs startete im September, weitere werden folgen. Die Anschaffung der benötigten Nähmaschinen hat die Stiftung mit Fördermitteln ermöglicht.

Träger: Berehynia (Ukraine) / AMICA e.V. Freiburg
Fördersumme: 2.700 Euro

Im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit hat der Wiener Verein FEM.A die neue Website www.kinder-rechte.at aufgebaut, die die Bedürfnisse der Kinder in Pflegschaftsverfahren (Kontaktrecht-, Obsorge-, Doppelresidenzverfahren) in den Mittelpunkt stellen. Gemeinsam mit dem Österreichischen Frauenring hat FEM.A eine Initiative gegründet, die aus der Sicht feministischer Frauenorganisationen auf die Problematiken der derzeitigen Rechtsprechung in Österreich und der dort geplanten Familienrechtsreform aufmerksam macht. Ähnlich wie in Deutschland werden auch in Österreich Kinder- und Frauenrechte oft nicht ausreichend berücksichtigt. Auf der Website sind die Forderungen der Initiative schnell und einfach zugänglich.

Projekt: Stärkung der Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit kinder-rechte.at 

Träger: Verein Feministische Alleinerzieherinnen – FEM.A, Wien

Fördersumme: 10.000 Euro